Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wer die Position künftig übernimmt. Sondern: Wer verantwortet den Betrieb bis dahin — mit welchem Auftrag, welchen Befugnissen und welcher verfügbaren Kapazität?
„Das fangen wir intern auf“ beschreibt zunächst eine Absicht. Eine belastbare Übergangslösung entsteht erst, wenn Verantwortung, Entscheidungsrechte und Entlastung verbindlich geregelt werden.
Kontinuität verlangt mehr als persönlichen Einsatz.
Erfahrene Teams können eine Vakanz über längere Zeit auffangen. Sie übernehmen zusätzliche Abstimmungen, lösen Konflikte und halten den Gästebetrieb aufrecht. Dieses Engagement verdient Anerkennung. Es darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, welche Aufgaben liegen bleiben.
Einzelne Bereiche optimieren ihre eigenen Abläufe, während gemeinsame Prioritäten fehlen. Investitionen werden vertagt. Ausnahmen entwickeln sich zu Gewohnheiten. Entscheidungen wandern zwischen Abteilungen, ohne dass jemand abschließend Verantwortung übernimmt.
Nach außen wirkt der Betrieb stabil. Intern wächst der Aufwand, diese Stabilität zu erhalten.
Wer eine Übergangsphase beurteilt, sollte deshalb nicht allein auf das Tagesergebnis schauen. Ebenso entscheidend sind die Belastung der Leistungsträger, die Geschwindigkeit notwendiger Entscheidungen und die Konsequenz, mit der Qualitätsstandards eingehalten werden.
Eine interne Vertretung braucht ein Mandat, nicht nur zusätzliche Aufgaben.
Nicht jede Vakanz erfordert Interim Management. Eine interne Vertretung kann fachlich und wirtschaftlich die überzeugendere Lösung bieten — vorausgesetzt, die betreffende Person erhält den notwendigen Handlungsspielraum.
Dazu gehören klare Antworten: Welche Entscheidungen trifft sie eigenständig? Welche bisherigen Aufgaben werden anderweitig übernommen? Wer unterstützt sie bei Konflikten zwischen Bereichen? Wann müssen Eigentümer oder Geschäftsleitung eingebunden werden?
Zusätzliche Verantwortung ohne entsprechende Entlastung verlagert das Problem lediglich auf die engagiertesten Mitarbeitenden.
Interim Management kommt dort in Betracht, wo intern Kapazität oder Erfahrung fehlen, mehrere Herausforderungen zusammenkommen oder die Übergangsphase einen eigenständigen operativen Auftrag verlangt.
Ein Interim-Mandat muss Wirkung erzielen.
Für mich besteht der Auftrag nicht darin, eine Funktion vorübergehend auszufüllen. Es geht darum, den Betrieb handlungsfähig zu halten, notwendige Entscheidungen zu treffen und eine tragfähige Grundlage für die anschließende Übergabe zu schaffen.
Am Anfang steht eine präzise Bestandsaufnahme: Was trägt den Betrieb? Wo gleichen Mitarbeitende strukturelle Schwächen aus? Welche Entscheidungen dulden keinen weiteren Aufschub? Welche Veränderungen würden während der Übergangsphase mehr Unruhe als Nutzen erzeugen?
Dabei zählt die Erfahrung des Teams. Wer täglich mit Gästen, Abläufen und Schnittstellen arbeitet, kennt häufig auch die Stellen, an denen Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfallen.
Aus diesen Erkenntnissen entsteht eine klare Priorisierung. Dringlichkeit allein reicht dafür nicht aus. Maßgeblich sind ebenso die Auswirkungen auf Gäste, Mitarbeitende, Qualität und wirtschaftliches Ergebnis.
Nicht jedes Thema lässt sich innerhalb eines befristeten Mandats abschließen. Aber jede wesentliche Entscheidung braucht eine nachvollziehbare Grundlage — auch die Entscheidung, etwas bewusst zurückzustellen.
Der Erfolg zeigt sich auch nach der Übergabe.
Ein wirksames Interim-Mandat hinterlässt keine neue Abhängigkeit von einer einzelnen Person.
Die nachfolgende Leitung braucht einen belastbaren Überblick: Welche Maßnahmen wurden umgesetzt? Welche Wirkung lässt sich bereits erkennen? Wo bestehen weiterhin Risiken? Welche Entscheidungen stehen noch aus?
Das Team benötigt dieselbe Klarheit über Zuständigkeiten, Prioritäten und vereinbarte Standards. Erst dann wird aus einer personellen Übergabe betriebliche Kontinuität.
Mein Anspruch ist, nicht nur eine Lücke zu überbrücken. Ich möchte einen Betrieb übergeben, dessen nächste verantwortliche Person auf klaren Entscheidungen, funktionierenden Abläufen und einem orientierten Team aufbauen kann.
Die Besetzung einer Position braucht mitunter Zeit. Die Verantwortung für den Betrieb beginnt heute.