Was, wenn wir mit „Wie geht es dir?“ eine Tür öffnen – und sie dem anderen mit unserer Ignoranz und unserer geschäftigen Unaufmerksamkeit wieder vor der Nase zuschlagen?
Vielleicht genau in dem Moment, in dem er den Mut findet, zu sagen, dass es ihm nicht gut geht.
Manchmal frage ich mich, ob unsere heutige Zeit es uns schwerer macht, einander Aufmerksamkeit zu schenken. Wir sind erreichbar, reagieren auf Nachrichten und versuchen, den vielen Erwartungen gerecht zu werden. Während jemand mit uns spricht, beschäftigt uns bereits, was wir anschließend noch erledigen müssen.
Haben wir uns so sehr daran gewöhnt, dass uns kaum noch auffällt, wie oft wir gedanklich schon weitergehen, obwohl unser Gegenüber noch mitten im Erzählen ist?
Mich beschäftigt, wie leicht wir im Alltag übersehen, dass jemand gerade unsere Aufmerksamkeit braucht. Mit dem, was im Alltag leicht verloren geht: ein freundlicher Blick, ein Lächeln, ein aufrichtiges Interesse und die Bereitschaft, sich auf einen anderen Menschen einzulassen.
Wir können jemandem gegenübersitzen und trotzdem weit weg sein.
Dann hören wir vielleicht die Worte. Aber bemerken wir auch das Zögern? Den Satz, der abgebrochen wird? Die Mühe, die es jemanden kostet, überhaupt um Unterstützung und Hilfe zu bitten?
Nicht jedes Anliegen braucht sofort einen Rat. Manchmal muss ein Mensch erst erzählen dürfen, bevor er selbst weiß, was ihm helfen würde. Manchmal gibt es vorerst keine Lösung. Dann kann es viel bedeuten, wenn jemand bleibt, die Stille zulässt und vermittelt: Du musst das gerade nicht mit dir allein ausmachen.
Dabei möchte ich auch mit denen nachsichtig sein, denen diese Aufmerksamkeit im Moment schwerfällt. Wer selbst unter Druck steht, erschöpft ist oder Sorgen trägt, hat nicht unbegrenzt Kraft für andere.
Vielleicht beginnt ein aufmerksameres Miteinander deshalb damit, genauer hinzusehen – auch bei den Menschen, von denen wir gewohnt sind, dass sie immer funktionieren.
Bei der Kollegin, die sonst für alle da ist.
Bei dem Freund, dessen Rückzug wir als Desinteresse verstehen.
Bei dem Menschen, der zunächst nur „Alles gut“ antwortet.
Wir müssen nicht jederzeit Zeit haben. Aber wenn wir sie jemandem schenken, sollten wir auch mit unseren Gedanken bei ihm sein. Und wenn wir ein Gespräch auf später verschieben, sollten wir von uns aus darauf zurückkommen.
Für mich liegt darin auch der menschliche Kern von Hospitality und verantwortungsvoller Führung: einem Menschen das Gefühl zu geben, dass er willkommen ist, sein Anliegen ernst genommen wird und er sich aufgehoben fühlen darf.
Diese Haltung möchte ich auch mit ALTA MIRA verbinden.
Vielleicht denken Sie beim Lesen gerade an jemanden, bei dem Sie sich länger nicht gemeldet haben.
Es braucht keinen besonderen Anlass, um zu sagen:
„Ich habe an dich gedacht. Wie geht es dir?“
Und dann Zeit für das zu lassen, was als Antwort kommt.